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STADTZENTRUM | Marktplatz
So, 11.09.2016 | 14 Uhr

Quer durch die Innenstadt, vorbei an staunenden Passanten rollte das Vorlese-Sofa zu seiner letzten Station: dem Marktplatz. Es war eine große Mutprobe für den 13-jährigen Hamadi Am Ibrahim, vor so vielen Menschen vorzulesen. Doch mit Mareike Henken an seiner Seite, die er von seinem ersten Tag in einer Bremer Notunterkunft als Spielgefährtin kannte, traute sich der syrische Flüchtlingsjunge. Er las jene Geschichte, mit der man ihn im vergangenen Sommer willkommen geheißen hatte: „Die Bremer Stadtmusikanten“. Hamadi las den ins Arabische übersetzten Text, Theaterpädagogin Mareike das deutsche Original. „Komm lass uns nach Bremen gehen. Etwas Besseres als den Tod findest du überall!“ sagen Esel und Hund zur Katze – und sie brechen gemeinsam auf. Aus dem Mund eines Kindes, das den Bomben zuhause entkommen ist und sich mit seiner sechsköpfigen Familie auf den gefährlichen Weg ins fremde Deutschland begeben hat, sind das starke Worte. Im Publikum auf den Treppen der Bürgerschaft rollte die eine oder andere Träne. Die Beklemmung löste sich auf im großen Applaus für den mutigen Jungen, der nach zwei Jahren Schulpause auf der Flucht jetzt ein glücklicher Bremer Drittklässler ist. Das kolumbianisch-spanische Duo „La Guagua de Cuentas“ – Marcela Guarnizo und José Paniagua – setzte mit einer fröhlichen Erzählung dem letzten der Vorlesetage einen unbeschwerten Tusch auf. Die Liebe hat die beiden nach Bremen und zueinander geführt – einer der schönsten Gründe, um in ein anderes Land zu gehen. Aber nicht der einzige. Migranten verschiedener Generationen und Motivationen machen Bremen vielfältig. Ihre Lieblingserzählungen und Lebensgeschichten hat dieses Projekt zum Vorschein gebracht.

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